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Farbvererbung beim Hund
(Folge 1)
Im Laufe der Hundezucht sind Tiere der unterschiedlichsten Fellfarben hervorgebracht worden, für deren Ausprägung ein Pigment auf Melaninbasis verantwortlich ist. Melanin entsteht im Stoffwechsel. Aus der Aminosäure Tyrosin wird durch ein Enzym L-Dopa katalysiert, welches zum Aufbau von Melanin benötigt wird. Es gibt zwei verschiedene Formen des Melanins, die für unterschiedliche Farben verantwortlich sind: Das Eumelanin ist für die Farben Schwarz und Braun, sowie für die durch Dilution (= ein Gen, das Farbverdünnung erzeugt) aufgehellten Farben Grau, Blau, Lilac, Apricot, etc. verantwortlich, während das Phäomelanin die Farbe Rot (in jeder Schattierung), sowie Gelb und Creme bildet. Alle beim Hund jemals aufgetretenen Farben werden durch die verschiedene Wirkung von Farbgenen beeinflusst, die wiederum die durch Enzyme katalysierte Bildung von Eu- bzw. Phäomelanin steuern. Der Farbeindruck „Weiß“ entsteht durch ein mutiertes Gen, welches zwar die Pigmentierung zulässt, aber die Einlagerung im Haar jedoch verhindert. Durch Lufteinschlüsse in den Hornschuppen, die das Licht brechen, nehmen wir die unpigmentierten Haare als „weiß“ wahr. Ist der Weißanteil des Fells sehr groß, so geht dies oft mit gesundheitlichen Einschränkungen einher, da Melanin, wie schon erwähnt, letztendlich im Stoffwechsel durch das Zusammenspiel mehrerer Enzyme gebildet wird, welche auch Zwischenprodukte für den Aufbau von körpereigenen Proteinen, wichtigen Hormonen sowie Neurotransmittern sind. Wenn dieser Enzymstoffwechsel gestört ist, kommt es zu mehr oder minder schweren körperlichen Beeinträchtigungen. Der Weißanteil kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Er reicht von kleinen Flecken an der Brust oder Abzeichen an den Pfoten bis zur Ausbreitung über den gesamten Hundekörper. Dabei ist ein weißer Hund mit schwarz pigmentierter Nase genotypisch (= unsichtbare Erbmerkmale) ein schwarzer Hund, während er phänotypisch (=sichtbares Erscheinungsbild) weiß ist. Ein weißer Hund mit braunem Nasenspiegel ist hingegen genotypisch ein brauner Hund.
Ein Ausnahme stellen dabei weiße Hunde dar, die weder in der Haut, noch in den Augen Farbpigmente aufweisen. Diese Tiere bezeichnet man als Albinos. Albinismus ist eine Erbkrankheit, die nur auftritt, wenn die Erbanlage homozygot vorliegt, das heißt, wenn ein Tier von beiden Elterntieren das mutierte Allel (Gene liegen immer in zwei Ausprägungsformen vor. Diese nennt man Allele) geerbt hat. Die Eltertiere sind, tragen sie nur ein mutiertes Allel in sich, phänotypisch (= äußeres Erscheinungsbild) gesund, aber mischerbig, das heißt, sie sind können bei falscher Verpaarung die Krankheit weitergeben. Solche Elterntiere bezeichnet man als Konduktoren. Bei der Verpaarung dieser Elterntiere untereinander beträgt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Albinismus 25%. Verpaart man eines dieser Elterntiere mit einem genotypisch gesunden Tier, so sind alle Nachkommen phänotypisch gesund, d.h. kein Tier ist an Albinismus erkrankt. Die Wahrscheinlichkeit der Nachkommen, Konduktoren zu sein, beträgt jedoch 50%. Ist ein Elternteil ein Albino, d.h.reinerbig für dieses Merkmal (=beide Allele mit Mutation), das andere Elternteil jedoch phänotypisch und genotypisch gesund (= beide Allele ohne Mutation), so sind wiederum alle Nachkommen phänotypisch gesund, jedoch alle mögliche Konduktoren, d.h. Überträger der Krankheit. Verpaart man zwei Albinos miteinander, so können nur Albinos entstehen.
Die Gene (als Gen bezeichnet man einen Bereich der DNA; als DNA bezeichnet man den Träger der Erbanlagen im Zellkern) enthalten Informationen, die entweder allein, oder zusammen mit anderen Genen, verschiedene Merkmale beeinflussen. Die DNA liegt in ihrer Transportform als Chromosomensatz vor. Der Chromosomensatz des Hundes besteht aus 39 Chromosomenpaaren, der des Menschen aus 23. Die Formel dafür ist 2 x n.(n = Anzahl der Chromosomenpaare). 2 x 39 = 78, 2 x 23 = 46. Der Hund besitzt also 78 Chromosomen, der Mensch 46. Die Allele(= Erscheinungsformen eines Gens) liegen auf den Chromosomen an einem bestimmten Genort. Alle Allele, die gemeinsam an einem Genort vorkommen, bezeichnet man als „ Allel-Serie“.
Es ist rassespezifisch unterschiedlich, welche und wie viele Allele an einem Genort vorliegen. Einige gingen sogar im Laufe der Evolution oder auch durch die Hundezucht verloren, was dazu führte, dass bestimmte Rassen nur ein eingeschränktes Farbspektrum aufweisen, während andere über ein breiteres verfügen. Durch Mutationen, oder durch gezielte Zucht, lässt sich aber das Farbspektrum beeinflussen, d. h., man kann das bei einigen Rassen eingeschränkte Farbspektrum wieder erweitern, bzw. neue Farbvarianten züchten.


Fortsetzung folgt!